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Freitag, 20. Oktober 2017

Nr.117 Letztens ... Schaufensterpuppen unter sich



“Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“ (Abraham Lincoln)

In den letzten Tagen musste ich wieder öfter an die drei Monate zurückdenken, die ich Ende der neunziger Jahre
in Los Angeles mit Schauspielunterricht und „Horizonterweiterung“ verbracht habe. 

Zu der Zeit drehte ich gerade meine zweite Serie im Hauptcast – diese pausierte im Sommer immer für mehrere Monate - und da meine Schauspielausbildung schon ein paar Jährchen zurücklag, wollte ich mich mal wieder ohne „time is money“ ausprobieren. 

Es war eine aberwitzige Zeit in L.A., teilweise wirklich skurril. Aber auch herzerwärmend, arbeits- und lehrreich, sodass ich nach all den Workshops und Unterrichtsstunden zwar “pleite“ aber glücklich wieder zurückkam. Es wäre für mich jedoch niemals infrage gekommen, als Schauspielerin mein Glück in L.A. zu versuchen um dort zu arbeiten.
 

Die Berichterstattung über Harvey Weinstein, ist schwer zu ertragen. All diese gruseligen Geschichten, die nun stetig ans Tageslicht kommen und teilweise so unfassbar sind, dass manch eine davon sich sogar „unfreiwillig komisch“ liest, sodass es sich fast anfühlt, als würde man lachend im breiten Schwall kotzen müssen. 

Solch ein Verhalten – das es im Übrigen auch in Deutschland gibt und definitiv berufsübergreifend ist - mag wohl nur dann so ausufernd möglich sein, wenn man auf die Frage, »Weshalb tust du das?«, schlicht zu antworten in der Lage ist: 

»Weil ich‘s kann«.
 

Dies gilt im Übrigen auch für die Sorte Menschen, die „nur“ cholerisch sind, somit ein komplettes Arbeitsumfeld jedoch ähnlich nachhaltig tyrannisieren, weil „sie es eben können“.
 

In puncto Weinstein hatte es eine der betroffenen Schauspielerinnen ziemlich treffend beschrieben. Diesen ungläubigen, inneren Konflikt, den solch ein sexueller Übergriff – ausgeübt in einer perfiden Beiläufigkeit – bei ihr ausgelöst hatte: Bin ich zu prüde? Habe ich das womöglich missverstanden? Habe ich etwas falsch gemacht?

„Sexsüchtig“, scheint im amerikanischen Filmbusiness ja irgendwie fast jeder Dritte zu sein, könnte man meinen. Zumindest hört man diesen Begriff von dort weitaus öfter zu uns hinüberschwappen als hierzulande. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass, wenn man ein sexsüchtiger Promi ist, man dadurch selbst zum Opfer seiner eigenen Sucht wird. Womöglich mag das für manch einen die “glimpflichere Alternative“ sein, als mit der Annahme konfrontiert zu werden, einfach „nur satt“ zu sein - vom Leben, der eigenen Macht und dem daraus resultierenden Überfluss - inklusive aller Möglichkeiten, in jeglicher Hinsicht. 


Wie viel Verachtung muss man insgeheim für sich selbst verspüren, um die eigene Macht an einem Menschen so zu demonstrieren? Wann verliert man als Mensch das Bewusstsein für Werte und Würde?

Am Ende meiner Amerika Zeit, die ich in einer immerfort wechselnden Gruppe von Schauspielern verlebt hatte, sind am Schluss nur noch eine liebe Kollegin und ich
übrig geblieben. Und so wollten wir als krönenden Abschluss noch vierzehn Tage in New York dranhängen, zur „Erholung“. Den Schlüssel einer Wohnung in Brooklyn hatten wir uns bereits über ein paar Ecken organisiert.
 

Eines Abends und noch in L.A., trafen wir dann, ich weiß nicht mehr in welchem Rahmen, auf diese skurrile Frau aus Beverly Hills, die uns für den nächsten Tag zu sich einlud. Als wir tags darauf in ihrer Villa ankamen, rekelten sich zwei durchtrainierte Männer in Badehose am Pool, die sie uns breit grinsend als ihre Angestellten vorstellte. 
Am Vorabend bereits, hatte die Dame des Hauses uns großzügig in Aussicht gestellt, doch einfach auf die Wohnung in Brooklyn zu pfeifen und stattdessen zu ihrem Verwandten zu ziehen, der im Herzen Manhattans lebte. Dieser sei schon so um die siebzig und hätte bestimmt nichts dagegen. Auf meine Frage, was besagter Mensch denn für die Unterbringung würde haben wollen, schmunzelte sie nur und sagte: 
»Ach, nichts. Vielleicht könnt ihr euch bei ihm ja mit einem Blowjob revanchieren.«

Wir haben ihn stattdessen zum Essen eingeladen ...


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Ihre Jana Hora-Goosmann

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Freitag, 13. Oktober 2017

Nr. 116 Letztens ... bei Franky



Dank des Hurricans "Ophelia", wie die gleichnamige Shakespeare-Figur aus "Hamlet", steht uns am Wochenende womöglich noch mal ein traumhaftes Wetterchen bevor. 

Da trifft es sich gut, dass der weltbeste Mann und ich am heutigen Freitag, den sechsten Hochzeitstag angehen. Somit befinden wir uns im verflixten siebten Jahr unserer gemeinsamen Reise. 

In unruhigen Zeiten wie diesen ist es wohl umso wichtiger, sich auf das zu besinnen, was wirklich zählt im Leben. Die Liebe. 


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Ihre Jana Hora-Goosmann


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Freitag, 6. Oktober 2017

Nr. 115 Letztens ... Schaufensterpuppen unter sich






»Das einzige, was einen bösen Menschen mit einer Waffe aufhält, ist ein guter Mensch mit einer Waffe.« (Wayne LaPierre,
NRA-Geschäftsführer)

»Unsere Waffen waren nutzlos.« (Countrysänger Caleb Keeter nach dem Massaker)

Seit Anfang dieses Jahres dürfen psychisch Kranke in Amerika wieder Waffen besitzen. Somit ist der  Hintergrundcheck eines jeden Waffenkäufers unter der Trump-Regierung wieder hinfällig. 

Das unfassbar tragische Ausmaß an Stephen C. Paddocks gezielten Hinrichtungen, hätte im Vorfeld jedoch wohl auch kein Hintergrundcheck offenbart. Ein nach außen hin unauffälliger Bürger, im tiefsten Inneren jedoch eine tickende Gewehrsalve.

In einem seiner unzähligen Interviews der letzten Tage, wünschte sich Paddocks Bruder Eric, man fände im Zuge von Stephens Autopsie so etwas wie einen Gehirntumor.

Der Mensch braucht (wohl) immer eine Erklärung für das Böse.
 

Laut einer Statistik ist die Anzahl der Toten durch Schusswaffen in den USA übrigens höher als die von Kriegsopfern.  Oft liest man von Kleinkindern, die mittels einer "herumliegenden" Waffe zu Tode gekommen sind.
 

Solange es zu keiner Verschärfung des Waffengesetzes kommt, wird es in den USA auch weiterhin mehr als genug Waffen geben, die in falsche Hände geraten werden.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein Zitat von Christian Morgenstern (1871- 1914) ein:

»Jeder muss sich selbst austrinken wie einen Kelch.«





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Ihre Jana Hora-Goosmann

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